„Erregung ist mit Ungewissheit verwoben, mit unserer Bereitschaft,
Unbekanntes Willkommen zu heißen, statt es von uns fernzuhalten.“

Esther Perel

Sexualität ist ein Thema, dass in unserer Gesellschaft ein wenig schizophren behandelt wird. Einerseits ist Sex so einfach und schnell verfügbar, wie vermutlich noch nie in der menschlichen Geschichte – andererseits sorgen die Präsenz von Pornographie und Körperkult für Leistungsdruck und Unsicherheit beim Sex.

Ein ganz anders gelagertes Spektrum von sexuellen Fragestellungen betrifft die Tatsache, dass in den meisten langjährigen Beziehungen – bei aller Liebe – das Begehren des eigenen Partners abnimmt und/oder das Begehren nach anderen Sexualpartnern zunimmt. Gleichzeitig herrscht oft Sprachlosigkeit über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse.

Lösungen in beiden Themenfeldern haben oft etwas mit Intimität, einer tiefen Vertrautheit, zu tun. Davon kann sowohl ein Zuwenig als auch ein Zuviel ungünstig sein. Im ersten Fall überholt oft der Körper die Seele – der körperlichen Befriedigung folgt ein Gefühl unbehaglicher Nähe oder seelischer Leere. Im zweiten Fall ist man so vertraut, dass die Distanz fehlt, aus der Begehren entsteht.

Oder aber man befürchtet den anderen zu verlieren, wenn man etwas möchte, was dem gemeinsamen sexuellen Konsens widerspricht. Damit beschränkt man dann seinen sexuellen Erlebnisraum auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Gerade in der Überwindung dieses Prinzips steckt für Paare der Raum für neue Lust mit dem eigenen Partner.

Der zweite Spielverderber ist häufig ein hinderliches Schamgefühl entweder den eigenen Körper oder aber die eigenen sexuellen Präferenzen betreffend. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich betonen, dass es neben hinderlichen Schamgefühlen auch eine gesunde Scham gibt. Sie schützt unsere Intimsphäre, einen inneren Raum zur Ruhe in uns selbst. Schon eine größere Differenzierung in diesem Bereich kann zu einer gesteigerten sexuellen Selbst-Bewusstheit und in der Folge zu einer lustvolleren Sexualität führen.

Wie also den Wunsch nach dauerhafter Lust in langjährigen Beziehungen realisieren? An diesem Punkt stellt sich für viele Paare die Frage, ob Monogamie noch die beste Form einer Partnerschaft ist. Und schließlich wirft einen diese Frage konsequent auf sich selbst zurück. Sie stellt sich in der Form:

Was will ich denn eigentlich für mich?

Was brauche ich …

um in einer Partnerschaft langfristig glücklich zu sein – an Sicherheit und Freiheit. Die Sexualberatung hat an diesem Punkt eine hohe Überschneidung zur Paarberatung

Eindeutige und allgemeingültige Werte, welche Form eine Beziehung annehmen sollte und was in einer Partnerschaft „richtig“ oder „erlaubt“ ist, gibt es als gesellschaftlichen Konsens nicht mehr. Es ist vielleicht nicht romantisch – aber pragmatisch: Ethik in der Partnerschaft ist eine individuelle Übereinkunft jedes Paares für sich selbst.